Wer in einen neuen Kompressor investiert, muss zunächst die Rahmendaten festlegen: Druck, Volumenstrom, Qualität der Druckluft. Danach sollte er die energieeffizienteste Lösungen anstreben, die auf dem Markt erhältlich ist.
Wer einen Kompressor anschaffen will, sollte strategisch an die Entscheidung herangehen“, betont Reimund Scherff, Business-Line-Manager Ölfreie Druckluft bei der Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH in Essen. Unterschieden werden muss dabei zwischen Ersatz- und Neuinvestition.
Soll ein ausgedienter Kompressor ersetzt werden, hat es der Anwender ein bisschen leichter, denn er kann sich anhand der bisherigen Systeme ein Bild verschaffen: Sowohl die Höhe des zu erzeugenden Drucks als auch der benötigte Volumenstrom dürfte von Seiten der Produktion vorgegeben sein. „Trotzdem sollte man diese Größen bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Frage stellen“, sagt Scherff. Denn wer den Druck senken kann, spart Energie. Faustregel: 1 bar weniger Druck spart 6 bis 7 % Strom.
Insbesondere, wenn es mehrere Veränderungen gegeben hat, ist zu überlegen, ob die frühere Dimensionierung noch passt. Alle namhaften Hersteller bieten hierzu ein sogenanntes Air-Audit (unter verschiedenen Namen) an, mit dem sie die Druckluftversorgung – Erzeugung, Bedarf, Verbrauch, Leckagen – genau unter die Lupe nehmen. Der resultierende Report stellt eine gute Basis für die zu treffenden Maßnahmen und für Gespräche mit dem Management dar.
Eine weitere Überlegung ist, ob die Druckluft für die normale Werksversorgung oder für sensible Fertigungsbereiche genutzt werden soll. Entsprechend fällt die Wahl auf herkömmliche öleingespritzte Kompressoren oder auf ölfreie Maschinen.
Auch die Bedingungen im Aufstellraum sind zu beachten: Welche Temperaturen herrschen dort in der Regel? Wie ist der Verschmutzungsgrad der Umgebungsluft? Enthält diese zum Beispiel viel Metallstaub, könnten die elektronischen Systeme der Kompressoren und der Peripheriegeräte angegriffen werden. „Grundsätzlich sollten die Maschinen trocken und staubfrei stehen“, rät Scherff. „Das verlängert die Lebensdauer erheblich!“
Stehen die wichtigsten Daten fest (Druck, Volumenstrom, Ölfreiheit), sollte man die energieeffizienteste Lösung anstreben. Schon wer die frühere Lösung „eins zu eins“ ersetzt, nur eben mit modernen Maschinen, spart. Und wer ein bisschen in die Materie einsteigt und sich beraten lässt, wird sehr schnell viel höhere Einsparpotenziale heben. So können Anwender mit energieoptimierten Systemen – wie drehzahlgeregelten Kompressoren und übergeordneten Steuerungen oder Leitsystemen – leicht 20 bis 30 % Strom sparen. Wenn mehrere Maschinen angeschafft werden, sollten die Größen auf den aktuellen und zukünftigen Bedarf sowie die zu erwartenden Bedarfsschwankungen im Werk abgestimmt werden.
Techniker wie Einkäufer sollten dann beim Vergleich verschiedener Angebote genau hinschauen: Bei kleineren Maschinen geben die meisten Hersteller schlicht die Motorleistung an, bei größeren entweder die installierte Leistung oder den nutzbaren Volumenstrom bei bestimmten Umgebungsverhältnissen. Wer sich kein X für ein U vormachen lassen möchte, kann sich für den Vergleich auf eine Norm stützen: „Die DIN ISO 1217-1 Teil C ist eine prima Basis dafür“, sagt Scherff.
Schwieriger wird der Vergleich bei höheren Betriebsdrücken. Insbesondere, wenn ein Drucklufttrockner nachgeschaltet werden soll, kommt es auf Seriosität an: „Trockner muss man nach dem minimal möglichen Druck auslegen, denn je niedriger der Druck, um so schwieriger wird die Trocknung“, erklärt der Experte. „Den Kompressor dagegen legt man selbstverständlich nach dem höchsten benötigten Druck aus.“ Schere man alles über einen Kamm und konzipiere für beide Maschinen beispielsweise 9 bar, fahre die Anlage aber nachher bei 6 bar, so könne man mit dem Trockner Probleme bekommen.
Apropos Trockner: In den meisten Fällen muss die Druckluft getrocknet und das Kondensat abgeleitet werden. Hier müssen sich die Projektverantwortlichen überlegen, ob sie alte Maschinen weiterverwenden wollen, neue anschaffen oder gleich einen integrierten Kompressor kaufen wollen, der die Luft nicht nur verdichtet, sondern auch trocknet und das Kondensat ableitet – und so direkt die richtige Qualität liefert. Das ist jedenfalls platzsparender und ökologischer.
Sind alle Pflicht-Entscheidungen getroffen, folgt die Kür: Lässt sich die Verdichtungswärme des Kompressors an anderer Stelle im Werk sinnvoll nutzen? Zum Beispiel, um Speisewasser zu erhitzen, die Heizung zu unterstützen, warmes Duschwasser bereitzustellen? Dann sollte auf jeden Fall eine Wärmerückgewinnung eingeplant werden, schließlich liefert der Kompressor die Wärme kostenlos. „Viele unserer Industrie-Kunden haben auf diese Weise ihre Heizkosten um viele Tausend Euro gesenkt – zum Teil sogar um sechsstellige Summen“, versichert Reimund Scherff.
Bleibt zum Schluss die etwas heiklere Entscheidungsfindung: ein Neukauf. Anwender müssen ihren Luftbedarf möglichst exakt im Voraus bestimmen, und wenn das Werk hierzu keine Geschichte hat, ist das nicht immer einfach. Von Vorteil ist dagegen, dass bei einer Neuinvestition leichter die optimale Lösung gefunden werden kann, weil weniger Rahmenbedingungen zu beachten sind. Die Checkpunkte von oben können dann auch hier angesetzt werden. Zudem muss sich ein Planer fragen, wie hoch die Verfügbarkeit sein soll (ob also ein Reservekompressor nötig sein wird) und wo die Kompressorenstation liegen wird (in einer Energiezentrale, wo auch schon Strom vorhanden ist und Wärme genutzt werden kann, oder nah an den Verbrauchern – wobei dann entsprechende Leitungen zu legen sind)?
Übrigens: Wer zum ersten Mal mit einer solchen Aufgabe betraut ist, sollte wissen, dass 1 m3 Luft in der Drucklufttechnik immer 1 m3 bei einem Druck von 1 bar und 20 °C meint. Und dass, wenn von 6 bar gesprochen wird, dies immer der Betriebsüberdruck ist.
Zu guter Letzt, meint Reimund Scherff, ist ein Kompressorenkauf Vertrauenssache: „Normalerweise sollen die Maschinen mindestens 15 oder 20 Jahre halten. Es ist also sicher nicht verkehrt, einen Hersteller zu wählen, der auch in Zukunft noch am Markt tätig sein wird.“ Schließlich könnte doch mal ein Ersatzteil erforderlich werden. Außerdem sollte der Anbieter über gut geschultes Personal verfügen, das mit Sachverstand und Überblick auf die individuellen Anforderungen eingehen und sich auch längerfristig um die Maschinen kümmern kann. Thomas Preuß
Checkliste: Einkauf von Kompressoren
Firmenportrait: Atlas Copco
Der Industriekonzern Atlas Copco ist mit seinen Produkten und Dienstleistungen in den Branchen Kompressoren- und Drucklufttechnik, Bau und Bergbau sowie Industriewerkzeuge und Montagesysteme weltweit führend. Die Gruppe bietet nachhaltige Lösungen für höchste industrielle Ansprüche an. Der 1873 gegründete Konzern hat seinen Hauptsitz in Stockholm, Schweden, und ist weltweit in über 170 Ländern vertreten. 2009 hatte Atlas Copco rund 30 000 Mitarbeiter und setzte rund 64 Mrd Schwedische Kronen um (6,0 Mrd Euro).
www.atlascopco.com

Beim Einkauf von Kompressoren sind zahlreiche Parameter zu beachten. Nur wer vor dem Kauf die Nutzungsbedingungen exakt analysiert, kann aus der Masse der Angebote das Richtige für sich finden.
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