Geringe Beschaffungskosten auch bei steigenden Stahlpreisen

Steigende Stahlpreise machen immer mehr Unternehmen in der Beschaffung Probleme. Nur ein durchdachter taktischer Einkauf kann hier eine Erleichterung schaffen.

MÜRZZUSCHLAG. Die im April erfolgte Erhöhung des Erzpreises hat wieder einmal veranschaulicht, dass Unternehmen oft mit teilweise erheblichen Steigerungen des Stahlpreises konfrontiert sind. Aber auch dessen Legierungselemente sind davon betroffen – so wurde an der London Metal Exchange Anfang 2010 Nickel noch mit 19 USD/kg gehandelt, Ende März waren es bereits um die 25 USD/kg, eine Steigerung von fast 25 Prozent. Viele Einkäufer versuchen solchen Entwicklungen entgegenzuwirken und bestellen bei einer steigenden Tendenz des Einkaufspreises eine größere Menge als eigentlich geplant war. Diese, als spekulativer Einkauf bezeichnete, Vorgehensweise führt dazu, dass die Preiserhöhung das Unternehmen erst mit verspäteter Wirkung trifft.

Bis dahin kann der Bedarf aus dem eigenen Lager abgedeckt werden und zwar mit jenen Materialien, welche noch vor der Preiserhöhung bestellt werden konnten. Es ergibt sich noch ein weiterer Vorteil: Es muss weniger oft bestellt werden, wodurch weitere Kosten wie z. B. für den Transport eingespart werden können. Der verantwortliche Einkäufer muss sich an dieser Stelle allerdings die Frage stellen, welche Menge vom Lieferanten angefordert werden soll. Eine passende Antwort kann nicht ohne weiterführende Überlegungen gegeben werden, da der Einkäufer mit einem Optimierungsproblem konfrontiert ist. Einerseits erhöht sich mit zunehmender Bestellmenge der Preisvorteil, denn es kann eine größere Anzahl zum günstigeren Preis bestellt werden, andererseits steigt der Lagerstand und mit diesem die Kosten für die Lagerhaltung.

Deswegen muss versucht werden, die Bestellmenge so zu wählen, dass der zu erzielende Preisvorteil abzüglich Lagerhaltungskosten so groß wie möglich ist. Frau DI (FH) Monika Neubauer, Einkauf bei KSI, macht deutlich: "Durch eine taktische Bestellmengenwahl kann bei steigenden Preisen ein Wettbewerbsvorteil erzielt werden". Der alleinige Verlass auf die eigene Intuition dürfte dabei selbst bei erfahrenen Einkäufern jedoch nicht ausreichen, weswegen zur Bestellmengenwahl nachfolgende Formel verwendet werden sollte.

 

Und so geht’s

Um die Vorgehensweise bei steigenden Einkaufspreisen besser veranschaulichen zu können, soll diese an folgendem Beispiel gezeigt werden: Die Vorräte eines Materials, bestehend aus nickelhaltigem Stahl, neigen sich dem Ende zu, weswegen eine neue Bestellung zu tätigen ist. Aktuell steht der Preis bei 40 €/kg, dieser wird zukünftig voraussichtlich auf 42 €/kg ansteigen. Der Verbrauch dieses Materials beträgt pro Tag in etwa 10 Kilogramm und der Lagerhaltungssatz wurde mit 7 % vom Controlling festgelegt.

 

Zu beachten ist, dass eine größere Bestellmenge immer zu einem höheren Lagerstand führt. Daher muss vor der Bestellung die Frage gestellt werden, ob auch genügend Platz vorhanden ist um das Material zu lagern. Aufgrund der zurzeit angespannten Wirtschaftslage nimmt auch die Thematik der Zahlungsfähigkeit einen besonderen Stellenwert ein. Denn gelagertes Material entzieht dem Unternehmen liquide Mittel: "Verfügt ein Unternehmen über ausreichende Liquidität, dann stellt das im Lager gebundene Kapital diesbezüglich aber kein Problem dar" so Mag. (FH) Michael Kowarsch, MBA, Leiter Controlling bei Schöller Bleckmann Edelstahlrohr GmbH. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, sollte dieser Aspekt unbedingt vorab mit den dafür verantwortlichen Mitarbeitern abgeklärt werden. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass, wenn es gelingt die Preisentwicklung zumindest tendenziell vorherzusagen, mit der beschriebenen Vorgehensweise eine beachtliche Kostenreduktion erzielt werden kann. "Je nach Preisentwicklung sind Einsparungen von 10 Prozent und mehr durchaus realistisch" stellt Frau DI (FH) Monika Neubauer abschließend fest.

Autor: Peter Krobath, Leitung der Logistikberatung TC-Logistics


01.06.2010 - Technik+Einkauf


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