Rohstoffe

Der Rohölpreis wird sich bis Ende 2011 um mehr als 30% auf 80 USD pro Barell verteuern, meint die Commerzbank in einer Analyse.

Während das Krisenjahr 2009 mit einem Preisanstieg bei Rohstoffen überraschte, droht das Jahr der Konjunkturerholung 2010 zu einem Krisenjahr für die Rohstoffpreise zu werden. Denn die Preisrallye lässt sich nur bedingt mit der Nachfrageerholung erklären. Sie ist vielmehr das Resultat eines stark gestiegenen Anlegerinteresses. Wir denken deshalb, dass die Rohstoffe angesichts eines relativ schwachen Fundamentalumfeldes überschossen haben und sehen in der ersten Jahreshälfte eine Preiskorrektur. Mit der Festigung des Aufschwungs dürften sich die Preise jedoch nachhaltig erholen.  Alles in allem dürfte die nach wie vor schwache Fundamentalsituation zusammen mit den fortschreitenden Regulierungsbemühungen die Ölpreise in den kommenden Monaten nochmals deutlich unter Druck setzen. Das Interesse der Investoren an den stark zyklischen Rohstoffen dürfte in einer Phase enttäuschender Wachstumsdynamik nachlassen, zumal die starken Rollverluste des Vorjahres die Problematik von Rohstoffinvestments auf den Radarschirm gebracht haben. Wir erwarten deshalb, dass der Rohölpreis bis zum Frühjahr unter Druck bleibt und im Tief auf 60 USD je Barrel nachgibt. Das nachlassende Anlegerinteresse dürfte auch dazu führen, das sich der aktuelle Preisvorteil von amerikanischem Leichtöl WTI gegenüber der Nordseeölsorte Brent Blend – aktuell ist WTI gut 2 Dollar teurer als Brent Blend - wieder in einen Preisnachteil zulasten von WTI umkehren wird. WTI dürfte seinen Benchmark Status weiter einbüßen, weil die Lagerproblematik in Cushing, Oklahoma in den letzten Jahren zu starken Verzerrungen geführt hat. Saudi Arabien hatte daraufhin bereits angekündigt, den Argus Sour Crude Index (ASCI) als neue Benchmark bei der Preisfindung zu benutzen. In der zweiten Jahreshälfte dürfte Rohöl dann wieder teurer werden. Der momentan zu beobachtende deutliche Ausbau der Kapazitäten dürfte sich verlangsamen; außerhalb der OPEC dürfte das Angebot wegen der deutlichen Produktionsrückgänge in der Nordsee schrumpfen. Verglichen mit dem Hoch in 1999 hat sich die Nordseeförderung bereits halbiert. Gleichzeitig dürfte mit fortschreitender wirtschaftlicher Erholung auch die Ölnachfrage in den Industrieländern an Dynamik gewinnen, so dass sich der Ölmarkt verengen dürfte. Bis Ende 2011 wird sich Öl deshalb unseres Erachtens um mehr als 30% auf 80 USD je Barrel verteuern.


01.02.2010 - Technik+Einkauf


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