Methode zur Bewertung von Werkzeugen und ihrer Belastung

Ergonomie selbst beurteilen

30.04.2010 ESSEN (ki). Bei der Wahl handgeführter Kraftwerkzeuge spielt die Ergonomie eine wichtige Rolle. In erster Linie soll die Gesundheit der Werker geschützt werden; doch auch für Unternehmer lohnt es sich, in ergonomische Werkzeuge zu investieren – nicht nur, weil die Krankheitskosten sinken. Der Gesetzgeber hat die Bedeutung längst in Paragrafen gegossen: Seit März 2007 gilt in Deutschland die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV). Sie definiert für Vibrationen einen auf einen 8-Stunden-Arbeitstag normierten Auslösewert von 2,5 m/s2, oberhalb dessen der Arbeitgeber aktiv werden muss; Werte über 5 m/s2 sind nicht zulässig. Müssen Werker mit Werkzeugen arbeiten, mit denen diese Werte überschritten werden, drohen vor allem Durchblutungsstörungen wie die Weißfingerkrankheit. Längere krankheitsbedingte Ausfälle bis hin zur Arbeitsunfähigkeit können die Folge sein.

Doch wie weiß ein Unternehmer, ob er den Anforderungen der Verordnung genügt? Die Umsetzung kann in der Praxis kompliziert sein. Um beim Beispiel der Vibrationen zu bleiben: Der auf einen achtstündigen Arbeitstag normierte Belastungswert darf nicht mit dem Emissionswert verwechselt werden, den die Werkzeughersteller angeben. Doch wie lässt sich dann bestimmen, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht? Und welche zusätzlichen ergonomischen Aspekte gilt es zu beachten? Fragen wie diese sind es, die Atlas Copco Tools veranlassten, eine handhabbare Methode zu entwickeln, um die Ergonomie von handgehaltenen Kraftwerkzeugen zu beurteilen. Zusammengefasst lässt sich die Methode so beschreiben: Herangezogen werden als Kriterien die

• Griffkonstruktion,

• äußere Kräfte,

• das Gewicht des Werkzeugs,

• die Temperatur,

• Stöße,

• Vibrationen,

• die Belastung durch Lärm sowie

• Staub und Öl.

Zu jedem dieser Kriterien wird – basierend auf einfachen Berechnungen und Erfahrungswerten – eine Punktzahl bestimmt, die die Güte des Werkzeugs beschreibt und mit der sich verschiedene Konstruktionen vergleichen lassen. Je höher die Punktzahl ist, desto schlechter ist das Gerät aus ergonomischer Sicht. Auf den ersten Blick scheint diese Methode ungenau zu sein, doch wie das Beispiel der Vibrationen oben zeigt, ist man vor allem an einer praktikablen Lösung interessiert. Denn Mehrkanal-Vibrationsmessungen sind zwar heute möglich, können aber nicht mit vertretbarem Aufwand an allen Arbeitsplätzen durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass zu einigen ergonomisch relevanten Faktoren kaum oder keine Daten aus Wissenschaft und Forschung vorliegen, die verlässlich beschreiben, ab wann eine Belastung zu hoch ist. Der Rückgriff auf fundierte Schätzungen und Erfahrungswerte ist also erforderlich, will man nicht warten, bis aussagefähige Daten vorliegen.

Die Autoren dieser Methode – allesamt Fachleute von Atlas Copco Tools – haben ein einheitliches Bewertungsschema mit Ergonomiefaktoren entworfen, das sich auf alle Handwerkzeuge anwenden lässt, ganz gleich welcher Marke und unabhängig von der Antriebsart (elektrisch oder pneumatisch). Mit dem Schema lassen sich sowohl unterschiedliche Schrauberarten und Bohrmaschinen als auch Schleifmaschinen sowie Niet- und Meißelhämmer beurteilen. Berücksichtigt werden auch Randbedingungen wie etwa das Geschlecht der Werker, da beispielsweise die maximal zulässigen Greifkräfte oder der mittlere Handumfang von Frauen und Männern differieren.

Naturgemäß unterscheiden sich die verschiedenen Werkzeugarten auch hinsichtlich der Gewichtung einzelner Ergonomiefaktoren. Spielen etwa bei Schleifern äußere Kräfte, Gewicht, Vibrationen sowie Lärm-, Staub- und Ölbelastung eine wichtige Rolle, überwiegen bei Meißelhämmern vor allem Vibrationen und Lärm. Bei Schraubern dominieren dagegen häufig äußere Kräfte oder das Gewicht, während Lärm, Staub und Öl kein Problem sind. Beispielhaft sei an einigen Werkzeugarten erläutert, worauf bei ihnen besonders zu achten ist.


Firma Links

Firma: Atlas Copco Tools GmbH
  Produkt bestellen

Weiterführende Links

Thema Werkzeuge und Formen, allgemein:
Weitere Produktberichte (7) Weitere Firmen (394)


 

verlag moderne industrie AG, Justus-von-Liebig-Straße 1, 86899 Landsberg/Lech,
Tel.: 08191/125-0, Fax: 08191/125-100, Internet: www.mi-verlag.de

Portal: http://www.technik-einkauf.de

Datum: 23.05.2012 - 04:21 Uhr

Info an den Webmaster: webmaster@technik-einkauf.de

copyright (c) 2005 - Alle Rechte vorbehalten